Nachhaltige Chemie – ESG in der chemischen Industrie

Inhaltsverzeichnis

Das Thema Nachhaltigkeit ist für die chemische Industrie nicht neu. Bereits 2013, zwei Jahre vor den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen, hat die Branche zwölf „Leitlinien zur Nachhaltigkeit für die chemische Industrie in Deutschland“ veröffentlicht. Mit zahlreichen Initiativen und Maßnahmen stellt sich die Branche den wachsenden Herausforderungen.

Wie wird Nachhaltigkeit in der Chemieindustrie umgesetzt?

Ähnlich wie die Automobilindustrie nimmt auch die Chemieindustrie in Sachen Nachhaltigkeit eine Doppelrolle ein: Einerseits gilt sie durch ihren Beitrag zu Endprodukten – wie z. B. Einweg-Plastikflaschen – als maßgeblicher Verursacher von Problemen wie Umweltverschmutzung oder Gesundheitsschäden. Andererseits bringt die Chemieindustrie vielfältige Lösungen für die Menschen auf den Weg – ob in Sachen Gesundheit, Ernährung, ⁠Klimaschutz⁠, Mobilität, in der Medizin oder auch in der Elektronik.

Und wie in der Automobilindustrie muss Nachhaltigkeit auch in der chemischen Industrie immer ganzheitlich im gesamten Lebenszyklus der Chemikalien gedacht werden – mit einem sogenannten „Chemikalienmanagement“ vom Ausgangsmaterial über die Produktion, die Produktnutzung, die Kreislaufwirtschaft bis hin zur Entsorgung. Und zwar über die gesamte Lieferkette und damit alle Zulieferer hinweg. Denn auch in der Chemiebranche gilt seit 2013 das EU-Lieferkettengesetz.

Darüber hinaus müssen gleichzeitig alle damit in Verbindung stehenden internen Prozesse hinsichtlich ESG geprüft und ggf. transformiert werden. Also nicht nur Energiebedarf und CO2-Emissionen (E), sondern auch firmeneigene Sozialstandards (S) sowie eine transparente und tadellose Unternehmensführung (G).

Bei den Bemühungen der Chemieindustrie geht es allerdings um weit mehr als „nur“ um ESG-Kriterien und damit um Maßnahmen wie die Verwendung nachhaltige Rohstoffe, den Einsatz von weniger gefährlichen Chemikalien, die Minimierung von Abfall, die Reduzierung des Energieverbrauchs oder die Entwicklung nachhaltigerer Produkte.

Wer ist an der Entwicklung nachhaltiger Chemie Unternehmen beteiligt?

Die Komplexität der Zusammenhänge in der Chemiebranche erfordert ein vernetztes Systemdenken und Handeln, das über die Unternehmen hinausgeht: An der Entwicklung von Standards und Best Practices beteiligt sind auch politische und wissenschaftlich Entscheider, Umwelt- und Verbraucherschutzverbände sowie Behörden. Alle Beteiligten sind konfrontiert mit immer strikteren EU-Regeln für potenziell gefährliche Substanzen bis hin zu Recycling-Auflagen etc.

Es bedarf großer Investitionen in alternative Materialien und skalierbare Prozesse, mit denen die Unternehmen trotzdem wettbewerbsfähig bleiben. Zumal gerade im Bereich innovativer umweltfreundlicher Materialien Recycling-Unternehmen und Tech-Startups den Markt umkrempeln und durchaus eine Konkurrenz für etablierte Big Player sein können.

Welche Fortschritte macht die Chemieindustrie in Sachen Nachhaltigkeit?

Führend bei der Forschung nach praktikablen Nachhaltigkeitslösungen für die Chemiebranche ist das Fraunhofer Institut. Deren Forschung konzentriert sich auf vier komplementäre Bereiche: Synthese-, Reaktions- und Katalyse-Technik, kontinuierliche Prozess- und Verfahrenstechnik, Modellierung, Simulation und Prozessoptimierung sowie Digitalisierung und Automation. Durch Fortschritte in diesen Bereichen können nachhaltigere und effizientere Prozesse entwickelt werden, die den Ressourcenverbrauch reduzieren und den ökologischen Fußabdruck der Chemieindustrie verringern.

Um Kompetenzen effizient zu bündeln, wurden in den vergangenen Jahren weitere wichtige Schritte unternommen, bei denen Deutschland als europaweit führender Chemiestandort eine Vorreiterrolle einnimmt. Einige Beispiele:

  • Mit dem International Sustainable Chemistry Collaborative Centre (ISC3) haben das deutsche Umweltministerium und Umweltbundesamt 2017 ein Kompetenzzentrum initiiert. Das Ziel: für sinnvolle Lösungen im Sinne der SDG global die fortschrittlichsten Partner zu vernetzen und neues Systemdenken im Sinne von ⁠Nachhaltigkeit⁠ und Kreislaufwirtschaft zu stärken. Das ISC3 steht auch hinter dem weltweit ersten Masterstudiengang „Nachhaltige Chemie“ an der Leuphana Universität Lüneburg und etablierte einen Globalen Start-up Service, dem inzwischen mehr als 190 Start-ups aus aller Welt angehören.
  • 2004 hat das Umweltbundesamt gemeinsam mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (⁠OECD⁠) Nachhaltigkeitskriterien für Chemieunternehmen
  • 2020 wurden von der UNEP Sustainable Chemistry Initiative zehn Ziele für grüne und nachhaltige Chemie im UNEP Green and Sustainable Framework Manual entwickelt.
  • Auch der EU Green Deal und die EU-Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit legen handfeste Maßnahmen für die Chemiebranche fest.
 

Die Chemiebranche tut viel in Sachen Nachhaltigkeit. Und zweifelllos sind Chemieunternehmen, die sich aktiv um eine nachhaltige Chemie bemühen, klar im Vorteil: Wer hohe Standards in Sachen Sicherheit, Risikomanagement sowie Umwelt- und Gesundheitsvorgaben einhält, hat in Zeiten immer strengerer Regulierungen und wachsenden öffentlichen Interesses nicht nur bei den Wachstumschancen, sondern auch im Wettbewerb die Nase vorn. Für den Erfolg entscheidend ist die Umsetzung einer konsequenten Nachhaltigkeitsstrategie, bestenfalls mit Hilfe eines ESG-Frameworks.

Isabella Calderon Hoyos
Partner

Sprechen Sie mit unseren Nachhaltigkeitsexperten für ein unverbindliches Beratungsgespräch.

Entdecken Sie unser ESG-Angebot für Ihr Unternehmen

Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Erstgespräch!

Contact us for a no-obligation initial consultation!

ESG-Factsheets – kompakt und kostenlos

Laden Sie sich jetzt unsere kostenlose Factsheets zur EUDR, VSME und Treibhausgasbilanzierung herunter.